Die Megalithepoche (ca. 4500 v. Chr. bis 1800 v. Chr.)

Die Megalithkultur (griech.= Großsteinkultur) kennzeichnet Kulturen vom skandinavischen bis zum iberischen Raum, die ihre Toten in großen Steinkammern bestatteten. In der Bretagne befinden sich die meisten und variationsreichsten megalithischen Baudenkmäler. Heute nimmt man an, daß die Megalithenbauten kultischen und religiösen Zwecken dienten, jedoch besteht hierüber in der Wissenschaft bis heute Uneinigkeit.

Es gibt Theorien über eine Verwendung als Kalender, als Prozessionsstraßen, als Phallussymbole oder für astronomische Berechnungen. Durch ihr massives Auftreten in dieser Region wurden sie ab dem 18. Jahrhundert mit bretonischen Namen bzw. Kunstwörtern benannt. Die bekanntesten Megalithen sind die Menhire (men=Stein, hir=groß) und die Dolmen (dol=Tisch, men=Stein). Menhire sind von Menschenhand aufgerichtete, meist natürliche, grobe und/oder kantige Felsblöcke. Da sie meistens an Grabstätten (Allées Couvertes) oder Grabhügeln (Tumulus) aufgerichtet sind, scheint ihr Zweck dem christlichen Kreuz zu ähneln. Eine zweite Theorie weist den Menhiren eine Beziehung zum Wasserkult zu, da diese Megalithe auch an Quellen aufgerichtet wurden. Eine weitere Deutung als Phallussymbole in Verbindung mit Fruchtbarkeitsriten wird auch durch die zahlreichen Legenden späterer Jahrhunderte gestützt. Der Menhir von Kerloas nahe der Westküste sollte jungen Pärchen bei Berührung unter bestimmten Bedingungen zu Nachwuchs verhelfen.
Im äußersten Westen der Bretagne, im Finistère, stehen die schönsten Menhire. In Locmariaquer am Golf von Morbihan liegt - wahrscheinlich beim Aufstellen in 5 Teile zerbrochen - mit 350 Tonnen Gewicht der größte Megalith der Region. Einige Exemplare enthalten eingravierte Zeichnungen. Ihr berühmtester Vertreter, der Menhir Kermarquer, steht bei Moustoirac im Morbihan. Gleich über Hundert von sogenannten Alignements (parallel in Reihen aufgestellte 1/2 bis 4 m hohe Menhire) sind über die ganze Bretagne verteilt.
Die längsten Alignements mit 1167 m und 1169 Steinen befinden sich zwischen Carnac und Erdeven. Cromlech (crom=gekrümmt, lech=Stein) sind im Halbkreis oder im Oval angeordnete Menhirreihen und sind häufig zusammen mit Alignements anzutreffen.

In Menec (Carnac) sind 2 Cromlechs jeweils zu den Enden eines Alignements angeordnet und bilden dessen Abschluß.
Zu den berühmtesten der eher selten vorkommenden Cromlechs zählt der Doppelcromlech im Golf von Morbihan auf der Insel Er Lanic. Seine Besonderheit liegt darin, daß einer seiner Halbkreise im Meer liegt, was darauf schließen läßt, daß seit seiner Errichtung der Meeresspiegel um ca. 10 m angestiegen ist.
Einer der bekanntesten Dolmen, der Table des Marchands, sowie eine gekrümmte Allée Couverte befinden sich in Locmariaquer.

Beispiele der Megalithkultur
Alignements de Lagadyar
Mané Groh
Pors Poulhan
Dolmen sind neben dem Menhir ein typisches Bauelement aus dieser Epoche. Dolmen dienten zum einen als Einzelgräber (Dolmen) für Stammesoberhäupter oder zum anderen als generationenlang genutzte Gemeinschaftsgrabstätten (Allée Couverte) und bestehen aus einem Gang und einer Grabkammer, die mit tonnenschweren Seitenfelsen und einer aufgelegten Abdeckplatte errichtet wurden. Sie wurden ursprünglich in einem Erd- (Tumulus) oder Steinhügel (Cairn) errichtet. Die meisten heute anzutreffenden Dolmen sind mittlerweile durch Errosion freigelegt. Entgegen den Dolmen sind Allées Couvertes zu beiden Seiten hin offen. Die zahlreichen erhaltenen Gravuren an den Innenwänden der Grabkammern werden heute als Fruchtbarkeits- bzw. Kultsymbole verstanden.
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